Arbeit und Purpose?

Praxis-Einblicke: Wann Arbeit wirklich begeistert.

Stefanie Rütten
Stefanie Rütten, Arbeits- und Organisationspsychologin, selbstständig als Beraterin für Gesundheitsmanagement und Organisationsentwicklung in Frankfurt und Partnerin im Zielwerk-Netzwerk

Purpose kann viel. Das behaupten zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema. Auch eine höhere Mitarbeitermotivation wird mit dem Erkennen des „wahren Unternehmenszwecks“ in Verbindung gebracht. Zurecht? Dies klärt ein Blick in die Unternehmen.

Arbeitsmotivation ist komplex. Die Praxis zeigt dies. Als freie Organisationsberaterin arbeite ich mit Mitarbeitern und Entscheidern aus unterschiedlichen Betrieben zusammen. Schwerpunktthemen sind meist Arbeitszufriedenheit und -leistungsfähigkeit. Hier wird häufig deutlich, dass ein ganzes Potpourri von Rahmenbedingungen die Arbeitsmotivation beeinflusst, angefangen von der Arbeitsaufgabe selbst, über die internen Prozesse, bis zum Führungsstil.

Die gute Nachricht ist: Arbeit -an sich- hat schon etwas Motivierendes. Neben dem reinen Gelderwerb bietet Arbeit Vieles was gut tut. Dazu zählt die Strukturierung des Tages, soziale Kontakte und die Möglichkeit, sich aktiv an der Gesellschaft zu beteiligen. Bewältigt man Arbeitsaufgaben erfolgreich, stärkt dies die eigene Selbstwirksamkeit. Das motiviert. Einer Arbeit nachzugehen ist daher prinzipiell besser als ohne Arbeit dazustehen. Arbeitssuchende, Langzeiterkrankte und manch frischer Rentner können davon berichten.

Die Arbeitsmotivation kann weiter steigen, wenn die Arbeitsinhalte dazu noch sinnhaft sind. Sozialarbeiter setzen sich für mehr Gerechtigkeit ein, Lehrer für bessere Bildungschancen oder Pflegekräfte für mehr Gesundheit. Im sozialen Bereich entscheidet sich die Mehrheit der Mitarbeiter für ihren Job weil dieser hohe Sinnhaftigkeit aufweist. Aber selbst in Profitunternehmen suchen mehr und mehr Mitarbeiter nach dem höheren Sinn ihres Tuns. Ein Softwareunternehmen im Rhein-Main-Gebiet zeigt dies. Das Startup gewinnt Mitarbeiter, weil ihr Produkt, eine Bestellsoftware für Handelsketten, die Verschwendung von Lebensmittel vermeidet. Das spricht viele Bewerber an. So manch eine Nachwuchskraft hat sich in der Vergangenheit für das IT-Startup anstelle der etablierten Konzerne entschieden.

Doch reicht die reine Tätigkeit oder der Zweck des Unternehmens auch langfristig aus, um Arbeitsmotivation zu erhalten? Nein!
Die Einblicke in den Unternehmen zeigen mir immer wieder, dass die täglichen Erfahrungen, die die Mitarbeiter im Betrieb machen, entscheidend sind. Schon die Erlebnisse beim Einstieg ins Unternehmen sind prägend. Schließlich motiviert, wie die tägliche Zusammenarbeit mit Kollegen und Führungskräften gestaltet ist oder welche Entwicklungschancen das Unternehmen bietet. Jede Managemententscheidung wird kritisch beäugt: Ist diese logisch, fair und transparent getroffen? Gefährlich wird es, wenn Außendarstellung und Tun des Unternehmens nicht zueinander passen. Negative Auswirkungen auf die Arbeitsbereitschaft oder gar auf die Gesundheit der Beschäftigten sind dann schon fast garantiert.

Dabei ist es gar nicht so schwer. Es hilft eine einfache Logik.
Mitarbeiter bewerten fortlaufend das, was sie einbringen, mit dem, was sie vom Unternehmen erhalten.
Neben dem reinen Lohn gehen auch andere Benefits wie Entwicklungschancen im Betrieb sowie Wertschätzung oder Anerkennung in die Wertung mit ein. Wenn der persönliche Einsatz mit dem übereinstimmt, was der Mitarbeiter vom Unternehmen erhält, steht es gut um die Arbeitszufriedenheit.

Und je positiver die Bewertung für das Unternehmen ausgeht, desto begeisterter sind die Mitarbeiter. Das hat weitreichende Effekte für den Betrieb. Ein Institut, für das ich tätig bin, macht es genau richtig: Mit seinen festangestellten Mitarbeitern geht es fair um. Aber mit den freiberuflichen Mitarbeitern auch! Was bei der Konkurrenz nicht üblich ist, gehört hier längst zum Standard: Bezahlung von Rechnung innerhalb von 48 Stunden, langfristige Planbarkeit der Arbeitseinsätze, ehrliches Feedback und die Möglichkeit kostenfrei an Fortbildung teilzunahmen, motivieren ungemein. Wie die Freiberufler darauf reagieren? Mit höchster Loyalität („für die anderen arbeite ich nicht“), authentischen positiven Berichten („die sind wirklich gut“) und konkreten Empfehlungen („geh zu denen“). Auch ich habe schon reichlich positives über dieses Unternehmen in meinem Umfeld erzählt und eine Vielzahl neuer Mitarbeiter für dieses Unternehmen angeworben. Weil ich von der Organisation begeistert bin. Weil sie vieles Gutes machen. Und weil sie es auch so meinen!

Ich freue mich, wenn Unternehmen ihren Purpose und Unternehmenszweck entdecken. So richtig erfolgsversprechend wird es, wenn dabei die internen Prozesse neu überdacht werden. Mitarbeiter, Kooperationspartner und Kunden müssen mitgenommen werden.
Nicht nur über Purpose reden, sondern ins Machen kommen. Und das authentisch und ehrlich. Das garantiert Mitarbeiter-motivation und positive Effekte für das gesamte Unternehmen!

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